Bei der Frage, wie stark sich Ungenauigkeiten auswirken kommt es IMO Größe, Design und auch Windstärke an.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, daß die kleinen "Fehler" im mm-Bereich, die ich z.B. beim Bau vom Jam Session gemacht habe, sich nicht merklich auf das Flugverhalten ausgewirkt haben, obwohl der Flieger merklich unsymmetrisch geworden ist!
Allerdings ist der Segelschnitt beim JS auch in dieser Hinsicht recht tricky, weil nicht zwei Segelhälften zusammengefügt werden, sondern zwei Segelteile an ein Mittelteil genäht werden. Kleine Ungenauigkeiten beim Zusammennähen mit dem mittleren Segelteil führen dazu, daß plötzlich die Flügelspitzen nicht mehr genau übereinander liegen, wenn man das Segel mittig faltet.
(Absolut genau kann man IMO ein Segel nur fertigen, wenn man eine 1:1-Vorlage zum Ausrichten der Segelteile hat und dann mit Segelmacher-Nähten arbeitet. Beim stückweisen Aufbau addieren sich die Ungenauigkeiten und können leicht mehr als 5mm betragen.)
Das andere Beispiel von mir zu diesem Thema ist der Bau eines Speeddrachen (4Speed). Da habe ich sehr genau gearbeitet und trotzdem führen keinste Abweichugen bei der von mir eingearbeiteten Profilierung dazu, daß der Drachen bei weniger als 3 bft unterschiedliche große Loops nach rechst bzw. links fliegt. Bei mehr als 3bft. verschwindet dieses Verhalten komplett!!
Ein Lenkdrachen ist von der Konstruktion her eine halbflexible Konstruktion, die nur funktioniert, wenn das Gebilde sich der Luftströmung anpassen kann.
Dazu kommt noch, daß wir in der Regel ständig den Drachen lenken und so auch ständig den Flug "korrigieren". Würde es darauf ankommen, daß ein Drachen von "alleine" auf einer Geraden segelt würden Ungenauigkeiten viel schneller zutage treten.
Von daher halte ich es für redlich, einen Drachen möglichst genau zu bauen, habe aber Zweifel, ob Toleranzen die kleiner als 1mm sind, beim Fliegen "fühlbar" sind.