Da muß ich mich jetzt ein wenig aus dem Fenster lehnen. Bin nicht der große Selberbauer und tunen tu ich meine Drachen in der Regel nur nach konkreten und bereits getesteten Vorschlägen anderer.
Neben der Tatsache, daß es bei den meisten hochwertigeren Drachen mit gewickeltem Gestänge so ist (bei gewickeltem Gestänge hat man eine viel größere Auswahl an verschiedenen Steifigkeiten als bei gezogenem Gestänge, bei dem man nur über die spezifischen Eigenschaften von wenigen Herstellern gehen kann und sonst nur über den Gestängedurchmesser variieren kann), habe ich auch schon dementsprechendes gelesen. Da ging es um Tuning des Tramontana. Alle Empfehlungen lauteten: Leitkanten eine Nummer weicher als Kiel und und Querspreize. Einer hat es nicht beherzigt und einheitlich bestabt. Mit dem Ergebnis war er gar nicht zufrieden. (Das war im Zusammenhang mit gewickeltem Gestänge)
Als technische Basis vermute ich mal, daß mit einer stabilen unteren Querspreize und Kiel die grundlegende Geometrie des Drachens bei verschiedenen Windverhältnissen aufrecht erhalten werden soll => hohe Steifigkeit des Drachens. Es dürfte wohl eher erwünscht sein, daß, wenn sich unter dem Winddruck was verbiegt, es in erster Linie die Leitkante ist. Das dürfte die Gesamtgeometrie (und somit die Flugeigenschaften) des Drachens weniger beeinflussen.
Kommt dazu, daß viele Drachen eine profilierte Leitkante haben (also nicht bolzgerade, sondern eine leichten Bogen). Dieses Profil soll natürlich nur durch die Leitkante ausgebildet werden, und nicht durch den gesamten Drachen => also auch daher: Leitkante weicher wählen.
Zurück zu Deinem Fall:
Wie gesagt, ich habe letztens erst gelesen, daß Elliot angeblich nur Exel und Avia verbaut. Ein Aufdruck muß nicht unbedingt drauf sein. Fall Du einen Meßschieber (umgangssprachlich "Schieblehre") hast, kannst Du ja den Durchmesser der Original-Stäbe mal nachmessen - die Avias sind nicht metrisch, sondern am Inch-Maßsystem orientiert. Das heißt, wenn der Durchmesser nicht genau 6.0 sondern 5,9 oder 6,1 mm ist, dann könnten es Avias sein. Das würde eventuell auch den von Dir festgestellten Gewichtsunterschied bestätigen => manche Avias gibt es als "TW" (thin wall) und die sind somit schon ne Ecke leichter.
Noch ein paar Worte zum Grund meiner Empfehlung:
Neben dem oben angesprochenen Thema der verschiedenen Steifigkeit des Gestänges, was in Deinem Fall, mir rein gezogenen Stäben nur in geringem Maße abgebildet sein dürfte, hatte ich noch einen etwas praktischeren Hintergedanken: Im Gegensatz zu Kiel und Spreize, ist das Ersetzen der Leitkanten doch ein wenig mehr Aufwand. Mehr Verbinder, mehr Stopper, auf die Waage muß geachtet werden... Diesen Aufwand würde ich mir an Deiner Stelle erst dann machen, wenn wirklich was zu Bruch gegangen ist.
Wenn sich Deine Nachrüststäbe tatsächlich von den Original-Stäben in Gewicht, und wahrscheinlich auch in Steifigkeit unterscheiden, würde ich aber in jedem Fall darauf achten, daß die Stäbe immer symmetrisch getauscht werden. Wenn also die rechte Leitkante putt ist, die linke auch gleich ersetzen. Kann sonst, aufgrund der verschiedenen Eigenschaften der Stäbe, zu ungleichmäßigem Flugverhalten führen.
Wenn die neuen Stäbe spürbar schwerer sind, wäre es eine weitere Überlegung, mit dem Ersetzen langsam zu tun, um das Gesamtgewicht des Drachens nicht unnötig in die Höhe zu treiben. 20 Gramm Mehrgewicht, können sich im unteren Windbereich schon mal deutlich bemerkbar machen...
Aber wie gesagt, such mal noch ein wenig im Forum, was Du zum Thema Bestabung im allgemeinen so findest, und warte noch ein paar Meinungen und weitere Erklärungen ab...