Frage zu Erstellung Segel aus Resten bzw. füllen von Lücken zwischen dem Hauptmuster

  • Hallo!


    Ich möchte einen Rokkaku nach dem Vorbild der Drachen von Kevin Bayless bauen. Den Rokkaku Plan habe ich, aber wie man so ein Segel zusammenschustern kann, ist mir nicht ganz klar.

    Es geht um ein Muster in dieser Art:



    Soweit ich das anhand der Posts sehe, legt Kevin als erstes das Hauptmuster auf den Arbeitstisch und füllt dann die Lücken. Die Icarex Stücke überlappen sich ca. 4-6 mm und werden miteinander verklebt und vernäht.

    Unklar ist mir, wie dann die Form einer Lücke mit Nahtzugabe auf das zu schneidende Icarex übertragen wird. Und ob das dann heiß geschnitten wird oder einfach mit Messer oder Schere. Beim Heißschneiden bräuchte man doch eigentlich eine Schablone. Zumindest wenn die Form nicht nur aus Geraden besteht. Bei Geraden kann man ja einfach ein Lineal als Führung nutzen.


    Wie würdet ihr vorgehen?


    Und hier der Link zu einem Post, in dem man zwei Arbeitsschritte sieht:

    Facebook Post Kevin Bayless

    Was passiert zwischen den beiden Bildern?


    Als Alternative dazu würde ich ein Muster aus sich wiederholenden geometrischen Figuren erstellen. Im einfachsten Fall zum Beispiel 10*10 cm große Quadrate. Dann reicht eine Schablone um viele, viele gleiche Stücke aus dem Rest-Icarex auszuschneiden und dann mit passender Farbverteilung aneinander zu kleben und dann zu nähen.

  • Servus,

    er hat offensichtlich einen Leuchttisch, Dann erst die dunklen Elemente drauf fixieren (Ich nehm dazu sehr feines Malerkrepp oder Maskierband) dann die nächsten Farben drauf, immer Stück für Stück. Fixieren den Stoff und anzeichnen. Meine Vorgehensweise ist dann entlang der Linien (mit der benötigten Nahtzugabe, hier wohl ne geklebte Segelmachernaht) mit dem Cuttermesser den Stoff schneiden, und ebenfalls auf dem Drachen direkt mit Transferklebefolie fixieren.
    Uns so weiter, bis eben alle ausgeschnitten und fixiert sind.

    Ich hab noch nie heiß geschnitten. Ich nutz immer nur mein Cuttermesser dazu.

    Aber so hat jeder seine Herangehensweise. Manche kleben, nähen und schneiden dann die Reste weg, geht auch.

    Gruß
    der Indianer


    p,s, sehr schöner Rokkaku


    - eigentlich bin ich gar kein Indianer, manchmal vielleicht im Herzen, aber nur manchmal -

    meine Webseite: www.derIndianer.org
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  • So wie Harald das beschrieben hat, würde ich das auch machen und heiß schneiden musst du nicht , macht nur noch Sinn bei sehr minderwertigen Tüchern die sonst ausfranzen .

    Gruß Gerhard

    Allzeit guten Wind

  • Mit dem Messer schneiden genügt vollauf, allerdings bin ich für mindestens 8mm Überlappung um eine ca 6 oder 7mm breite Dreifachzickzacknaht nähen zu können. Erfahrungsgemäß hält das deutlich mehr aus. Und dann fast am wichtigsten ist das präzise Fixieren - das Tuch muss vorgeklebt eben auf dem Tisch liegen, wirft es da schon Beulen sind bereits Fehler darin die die Flugeigenschaften negativ beeinflussen können.

    Ach und auch bei Icarex wird irgendwann mit zunehmender Drachengröße dann der Fadenverlauf relevant was die Tuchdehnung und Formung angeht, er sollte dann eben auch beachtet werden.

  • ja, der Fadenverlauf ist ein gutes Stichwort.

    Bei den Größen der Teile spielt er für die Dehnung keine Rolle.

    Aber spiel mit ihm, wenn du die Teile so legst, dass der Fadenverlauf immer wieder einen anderen Winkel zum Kiel zeigt, dann zeigt nachher der Drache ein wunderbares Schimmern oder Glitzern, da das Tuch die Sonne immer anders wiederspiegelt.

    Das ist dann ein echtes Highlite am Himmel. Das schaffste mit sauberem gleichmäßigen Fadenverlauf nicht.


    Grus

    Der Indianer


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  • Also ich habe noch nie auf den Fadenverlauf bei den Einleinern geachtet.

    Bisher sind sie alle gerade geflogen.


    Ganz im Gegenteil, wie Harald geschrieben hat, sieht es in der Sonne besser aus wenn der fadenverlauf bei den Paneelen unterschiedlich ist

  • Vielen Dank für die Infos!


    Einen Leuchttisch habe ich nicht. Muss mal sehen, ob ich eine Glas-Schreibtischplatte bekomme, bei der ich dann unten drunter eine Lichtquelle positionieren kann.


    Der Rokkaku hat nach Bauplan eine Größe von 2×2,5m. Aber das ist mir eigentlich zu groß und so eine große Glaspplatte werde ich sicher auch nicht bekommen (und den Platz habe ich auch nicht), und die Zugkraft wäre wahrscheinlich erheblich.

    Bei so einem großen Drachen ist vielleicht die Fadenausrichtung wichtig. Ich hatte eher an 1×1,25m gedacht. Ich hoffe, dass die Fadenausrichtung dabei nicht so entscheidend ist. Eine unterschiedliche Ausrichtung und dadurch schöne optische Effekte würde mir schon gefallen.


    Die Alternative zu Grundmotiv + Ausfüllen der Lücken wäre ein Muster aus gleichen Formen oder aus mehreren verschiedenen aber sich immer wiederholenden Formen.


    Zum Beispiel so etwas:


    Das wären drei verschiedene Grundformen.


    Oder ein Muster aus Dreiecken:




    Vierecke mit zueinanderpassenden Kantenlängen:


    Unter dem Stichwort "Patchwork" findet man dazu einiges.


    Mal sehen...

  • Ich habe schon öfters auf 165cm Breite mit Pfeischäften gebaut. Die fliegen gut!

    Wenn du nicht gerade mit sehr viel schwarz arbeiten möchtest, brauchst du nicht unbedingt einen leuchttich.

    Ich drucke meine Schablonen mit 0.7mm strich-stärke. Und durch icarex kann man recht gut durchpausen.

    Dann kannst du nach und nach auf der Schablone alle Teile aufzeichnen, ausschneiden und dann gleich mit ds-klebeband montieren. Danach musst du dann alles nur nachnähen mit einem segelmacher oder wellenstich.

    Grüße Carsten

  • Schwarzes Icarex habe ich gar nicht. Ich probiere das mit dem Durchpausen mal aus.


    Kannst du mir sagen, welche Pfeilschäfte (Hersteller, Typ, Bezugsquelle) du verwendest?

  • Also ich habe noch nie auf den Fadenverlauf bei den Einleinern geachtet.

    Bisher sind sie alle gerade geflogen.


    Ganz im Gegenteil, wie Harald geschrieben hat, sieht es in der Sonne besser aus wenn der fadenverlauf bei den Paneelen unterschiedlich ist

    Bei Einleinern mit größeren Flächen spielt das leider schon eine Rolle. Gerade wenn du mit Tüchern wie Elltex oder Mirai arbeitest. Letzteres hat sogar unterschiedliches Längs- und Querreck - böse Falle.

  • Ich muß Dennis-the-menace recht geben. Ein Drachenfreund aus Freiburg hatte mal einen großen Powersled aus Resten von Spinnaker gebaut, die er so vernähte. wie sie gerade passten. Der Drachen flog auch ganz gut --- im Binnenland. Als wir dann vom Club ein Drachenfest in der Normandie an der Küste besuchten ( Houlgate), war es vorbei mit dem guten Flug. Der Sled brach immer auf eine Seite weg, es half überhaupt nix, um ihn zu stabilisieren, weder Waage umstellen, noch längerer Schwanz dran... Der Winddruck hat das Drachensegel so verzogen, daß der Drachen zum Fliegen nicht mehr zu gebrauchen war.


    Grüße: Horst

  • Ihr habt ja alle Recht mit dem Fadenverlauf. Ist schon wichtig bei großen Flächen und entsprechenden Tüchern.
    Aber hier bei dem Drachen und den Mustern, die der gute Admiral da nähen will, spielt der Fadenverlauf überhaupt keine Rolle. Naja außer den von mit beschriebenen Effekt des Glitzerns in der Sonne. Er bekommt so viele Nähte ins Segel, dass ein Verzug quasi überhaupt nur durch die Nähte selber - wenn unsauber vernäht - verursacht wird. Aber nicht vom Wind.

    Gruß

    der Indianer


    - eigentlich bin ich gar kein Indianer, manchmal vielleicht im Herzen, aber nur manchmal -

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  • Gerade wenn du die Teile nur mit einer Segelmachernaht verbindest, verziehen sich bei etwas mehr Wind auch schon kleinere Drachen von drei oder vier Quadratmetern wenn du Pech hast. Verwendest du sehr viele Teile - bei mir werden es gern auch mal mehrere hundert - kann dir dann natürlich die Statistik und der Zufall helfen, sich ein so wirrer Mix aus Fadenverläufen bilden, daß sich das Verziehen ausgleicht.

    Verwendest du hingegen offene oder noch besser geschlossene Kappnähte verhindert die Steifheit dieser dickeren Nähte ein Verziehen weitgehend, hat aber dann wieder erheblichen Einfluss auf Bauscheigenschaften der Segelflächen, so daß die Anordnung der Segelteile doch besser weitgehend symmetrisch sein sollte.

    Verwendest du sehr kleine Teile ( etwa unter 100 Quadratzentimetern) und nähst breitere Säume von eher 8mm, steifen die vielen Überlappungen in den Nähten das Segel wieder aus und verringern dann ungleiche Dehnung im Segel.

    Es gibt also auch Wege diesen ungleichen Dehnungen entgegen zu wirken.


    Ich hoffe das war halbwegs verständlich ausgedrückt.


    MfG D.

  • Vielen Dank für alle und vor allem auch vielfältige Informationen.


    Mein Rokkaku soll nicht zu groß werden, damit nicht zu hohe Zugkräfte entstehen. Ich will nur einen schönen Drachen bauen, ich brauche die Zugkraft nicht um Windspiele oder eine Kamera zu tragen. Ich denke an maximal 165*140cm. Das wären dann ca. 2m².
    Ich habe mich entschieden, zuerst mal ein Patchwork-Muster aus Quadraten und Rechtecken zu verwenden. Das kleinste Quadrat soll aber nicht kleiner als 10*10cm sein, das größte wäre dann 20*20cm groß (jeweils plus Nahtzugabe). Segelmachernaht und Überlappung von 6mm. Ich würde da schon gerne Lichteffekte durch unterschiedliche Ausrichtung reinbringen - es würde aber auch anders gehen.

  • Ach die Größe ist schön handlich, habe ich vor ein paar Jahren mal aus 6x12cm Rechtecken gemacht in knallbunt. Verwendest du eine simple Segelmachernaht geht das zusammennähen ja auch sehr schnell von der Hand, da dürfen es ruhig mal ein paar mehr Teile sein. Gehört man dann zu den Hochfliegern fangen die Farben aber auch schnell an zu flirren - du kannst keine einzelnen Elemente mehr optisch auflösen und die Farben fließen ineinander.

    Auf jeden Fall würde ich für die Größe aber Segelmachernähte empfehlen, sonst wird das Segel zu steif und die Flächen bauschen nicht mehr, dann fliegt das nicht mehr ruhig und stabil.

  • Bei der Größe von 165x140cm sind die Pfeilschäfte etwas zu steif. Da würde ich 6mm Kohlefaser für die Spreize nehmen.

    Für 165 x 195cm sind Pfeilschäfte gut verwendbar.

    Aber die Pfeilschäfte gibt es doch in ganz unterschiedlichen Stärken 🤔

    Allzeit guten Wind

  • Gerhard, da hast du natürlich recht. Bisher habe ich nur die steifsten probiert.


    Admiral, du kannst da auch normales 8mm cfk oder pfeilschäfte nehmen. Der kiel soll ich ja nicht biegen.