Hallo allerseits,
ich habe gestern mal ausprobiert, was es bedeutet mit meinem Jumbo Power Sled bei richtigem Wind zu experimentieren. Da ich ja in den vergangenen Wochen eher nur leichten Wind hatte, für einen Drachen, der wohl eher für kräftigen Wind bestimmt ist, habe ich mal meinen Mut zusammengenommen und an zwei verschiedenen Stellen in der Gegend meine Praxis auszu bauen. Dabei habe ich so richtig Respekt bekommen vor dem Teil (dem Jumbo Power Sled), meiner 330kp Leine und den Kräften, die da wirkten.
In der Ebene, zwischen Feldern, mit guten asphaltierten Wegen von einer Feldwegkreuzung ausgehend habe ich wieder mein kleines Auto (Toyota Yaris) als Anker genommen, den Drachen diesmal ganz leicht in die Luft bekommen und ihm dann langsam etwas Leine gegeben. Das ganze fand statt bei im nachherein geschätzen Windstärken von eher 5 als 4. In Wetter.de wurden 15/39 km Wind für Schriesheim angezeigt. Meine Schätzung (aus alten U.S. Zeiten) war ungefähr 20 mph - gusting 30 mph.
Um mir etwas Sicherheit zu geben habe ich erstmal eine Umlenkrolle am Auto benutzt (für den Fall, dass mir die Rolle aus den Händen fliegt) und gleich gelernt, dass man sehr gut aufpassen muss, was man sich für eine Rolle aussucht. Es ist mir nämlich gleich passiert, dass die Leine sich in dem Zwischenraum zwischen Rolle und Rahmen gezwängt und festgezurrt hat, was natürlich die Leine beschädigt oder zumindest schwächt.
Dann habe ich einige Male den Drachen hochgelassen und wieder eingeholt - um auch zu sehen, dass ich in der Lage bin, ihn wieder herunter zu bekommen. Dies war eigentlich nur möglich, indem ich mit meiner Umlenkrolle oder mit Handschuhen greifend auf den Drachen zugehend, die Leine runtergeholt habe. Bei den Kräften hätte ich entweder nicht geschafft die Leine einfach einzuziehen oder zuviel Angst gehabt, dass mir irgendwas aus der Hand fliegt. Also eine feste Verankerung war unbedingt notwendig und ich verstehe auch, warum mir schon einige Leute dazu geraten haben, so vorzugehen.
Außerdem verstehe ich auch, was mit den Vibrationen gemeint war. Diese sind gestern bei mir zum ersten Mal in der Form aufgetreten. Aber bei den Böen, die ich hatte, hätte ich mich eh nicht getraut irgendetwas kameraähnliches da hinaufzuschicken. Mangels Wasserflasche wollte ich dann aber trotzdem mal probieren, was man damit so alles transportieren kann. Also habe ich einen vollen 2-Liter-Kanister mit neuem Wein nach oben geschickt (den ich gerade für Zwiebelkuchen heute abend gekauft hatte), der also durchaus einer mittelschweren SLR vergleichbar war. Nur kann ich mir nicht so richtig vorstellen, wie man bei solch einem Wind eine Rig mit Kamera raufschicken, und dann auch noch gezielt ausrichten und auslösen könnte. Ich bin ja gespannt mal bei Euch erfahrenen Hasen zu sehen, wie das ist, wenn ihr bei kräftigem Wind KAP betreibt.
Außerdem habe ich beschlossen, mir für die Zukunft mindestens eine Checkliste anzufertigen um sicher zu stellen, dass ich wenn ich losfahre auch alles dabei habe, von der Anzahl der Karabiner die ich brauche, bis zur vollen Wasserflasche, Kamera, Chips usw. Abgesehen davon wäre es sicher hilfreich und sinnvoll irgendeine Form von Windmesser bereit zu haben. Am liebsten hätte ich einen ganz einfach HALL-Airspeed Indicator wie wir sie früher an den motorisiert- und beflügelten Gartenstühlen benutzt haben.
Was benutzt Ihr denn da so? Es braucht nicht teuer zu sein, sollte aber in irgendeiner Form die Windgeschwindigkeit in km/h oder mph ablesen lassen.
Eine Frage zum starten von Drachen: Ich habe gehört, dass viele KAPler erst die Leine auslegen, am Ende verankern und dann an der in Windrichtung ausgelegten Leine den Drachen gleich an voller Leine oder mit Umlenkrolle Richtung Anker gehen um dem Drachen die ausgelegte Leine "zu geben". Ist das die gängige Methode oder was für Überlegungen gibt es da.
Zum verankern: ich habe mir bei Kunstdrachen.de einen Dreifachanker besort, bei dem man drei "Heringe" in den Boden schlägt und per Seilstück und Karabiner miteinander verbindet. Ich trau mich aber nicht zu testen, ob sowas auch hält. Bei meinem Auto habe ich keine Angst, dass es wegfliegt. Aber ich kann ja nicht nur Drachen fliegen, wo ich immer ein Auto oder ähnlichen Ballast zur Verfügung habe. Also: wie macht Ihr das?
Eine weitere Frage zu verdrehten Leinen: Früher habe ich Drachenschnuren immer direkt gewickelt, z. B. mit einer Handwinde. Bei den großen Drachen und Kräften, die hier im Spiel sind, ist das offenbar inpraktikabel. Spulen würden brechen wegen Spannung. Einen Power Sled, Maxi Dopero oder großen Delta könnte man vermutlich auch nicht wirklich "einziehen", bei entsprechendem Wind. Ich merke jetzt, dass sich die Leine (meine derzeitige ist eine recht kräftige 330 kp Leine) immer wieder verdreht und trotz drehbarer Aufhänung am Drachen sich nicht wieder "entdreht". Beim Aufwickeln auf meine blaue Plastikspule kann ich zwas mal links und mal rechts wickeln um Verdrehung vorzubeugen, aber irgendwie stelle ich mich da noch etwas dusselig an. Wenn ich sehe, dass die Leine stark gedreht ist, dann ist mir noch nicht mal klar mit welcher Wickeltechnik (links oder rechts) ich das Problem zumindest tendenziell beheben kann. Ich müsste die Leine von einer sehr hohen Brücke hängen lassen, damit sie sich wieder (mit etwas Gewicht dran) entdrehen kann und dann locker aufwickeln ohne sie wieder zu verdrehen.
An der zweiten Location, innerhalb eines Weinberghanges in dem der Wind nicht ganz so stark zu sein schien wie unten in der Ebene, habe ich mir dann auch eine Stelle ausgesucht, wo ich ca. 60m offenen Weg in Windrichtung hatte und den Drachen abheben lassen. Meine Überlegung war, dass ich mit zu wenig Wind in den Weinbergen gar nicht erst probieren sollte, da ich sonst gleich die Leine und den Drachen irgenwo über den Weinstöcken verteilt zusammensuchen könnte. Im Grunde hat das auch ganz gut funktioniert. Letztendlich war da aber auch wieder genausoviel Wind und über 50m bin ich dann auch garnicht hinausgegangen. Auch dort habe ich zweimal gestartet und wieder eingeholt. Natürlich habe ich auch da wieder etwas gelernt: Man sollte vermutlich vorsichtig sein, sich Hoffnungen zu machen, an irgendeiner bestimmten Stelle starten zu können um irgendetwas bestimmtes aufnehmen zu können. Ursprünglich habe ich ja so leichtfertig geglaubt: um eine Burg, ein Gebäude oder sonst irgendetwas interessantes fotografieren zu können brauch man nur irgendwo in der Nähe einen Drachen zu starten und dann vielleicht noch ein bißchen hin und her zu laufen um die richtige Position zu finden...
Nun ja, jetzt wird mir bewußt, dass es eigentlich (zumindest hier bei uns) recht wenige Ecken gibt, an denen mal auf sichere Weise eine Drachen in die Luft bringen kann, dass es Unmengen von elektrischen Kabeln, Strommasten usw. gibt, die man vermeiden muß, dass man in der Nähe von Gebäuden usw. auf alle Möglichen Überraschungen gefaßt sein muß, dass man natürlich nicht sowas umsetzen kann wenn man Lust dazu hat, sondern eher dann, wenn die Wetterbindingungen günstig sind und man mit ein bißchen Glück alle Faktoren zusammenbringen kann.
Mein nächster Vorsatz ist, mir ein Logbuch einzurichten und möglichst regelmäßig zu führen, in dem ich meine Erfahrungen, meine Pannen, meine Probleme und Erkenntnisse aufschreiben kann und mir selber meine Fortschritte und Rückschritte dokumentieren kann. Macht Ihr so etwas auch? Ist das vielleicht generell so üblich? Oder macht das keiner wirklich in der Praxis?
Na ja, ich hoffe ich langweile Euch nicht. Vielleicht hat der eine oder andere einen Kommentar. Und vielleicht hilft auch so ein Thread dem einen oder anderen Neuling später ein paar Sachen lesen und vermeiden zu können ohne jede dumme oder dämliche Erfahrung selber machen zu müssen. Es hat mich schon sehr vorsichtig gemacht zu hören, wieviele von Euch schon einen Komplettabsturz von Rig und Kamera durchgemacht haben, mit manchmal hochgefährlichen Folgen für Zuschauer, die oft in der Nähe sind. Manchmal merke ich, dass ich etwas ungeduldig werde mit mir und meinen Fortschritten und dann wird mir klar, dass genau das meine Aufgabe ist, zu lernen nicht unggeduldig zu sein und langsam meine Erfahrungen in der wirklichen Praxis zu machen. Und da ich mir vorgenommen habe, wirklich gut zu werden und vielleicht mal richtig gute Aufnahmen relativ gezielt machen zu können, werde ich mir die Zeit nehmen, die das braucht.
Viele von meinen Fragen werden sich vermutlich von selber beantworten, wenn ich ein paar Drachenfeste besucht habe und anderen "bei der Arbeit" zugeschaut habe. In der Zwischenzeit bitte ich um Nachsicht...