Zitat
Ähnlich ist es mit Lenkdrachen, die deutlich von der bewährten Bauweise abweichen. So wie wir von einem Rad erwarten, dass es möglichst weich abrollt, erwarten wir auch von einem Drachen, dass er fliegt wie ein Delta.
Ich glaube genau darin liegt der Hemmschuh für (Weiter-)Entwicklungen. Die Ewartungshaltung des Kunden. Getreu dem Motto - das kenne ich, das will ich so.
Ich freu mich immer, wenn es Leute wie z.B. W.Siebert gibt, oder auch die vielen nichtkommerziellen Konstrukteure die eigene Wege gehen. Und damit die Scene wirklich bereichern.
Ein Hersteller trägt letzlich ein enormes Risiko wenn er grundlegend was neues machen möchte. Wer will es da verübeln, wenn er auf bewährte Formen setzt?
Solche Meinunge wie die oben zitierte bestätigen das ja noch -Der Kunde ERWARTET das ja so ....
Ich verstehe den Thread-Ersteller schon - unbedarfte können eine Wilde Hilde nicht von einem Wild Thing unterscheiden, genausowenig wie ein Transfer von einem Cosmic. -Eben alles Deltas-
Und ob da ne Ozone fliegt oder eine Jojo, weiß auch nur ein Mattenspezialist oder eben ein gut informierter Interessierter.
Aber neue Ideen sind ja nicht grundsätzlich zum Scheitern verurteilt, wenn - ja wenn - ich mich damit auseinandersetze und auch mal den Mut habe, was in den Sand zu setzen.
Ich möchte nicht wissen, wieviele Interessante Teile und Ideen irgendwo im Keller schlummern..
Das unternehmerische Risiko (und damit auch später vielleicht ein Gewinn) liegt aber in der Verantwortung des Herstellers. Wenn ich mich hinsetzen würde und mir was ausdenke kostet das höchstens Material und meine Zeit.
Eine Fehlentwicklung kann einem Hersteller aber die Existens kosten.
Es gibt aber auch eben Hersteller die einem PrivatKonstrukteuer eine Plattform bieten, wie beim Enigma oder beim n'finity.
Sollte es z.b. im Powerbereich was geben was anders ist als bisher, kommt das nicht von einem der bekannten Hersteller.
Caveman auf dem Dornumer Speedcontest war so ein Beispiel.
Wie das Ding flog und wie gut es abgeschnitten hat wundert mich heute noch.
Entwickler wie Ryll mit den Pures oder Stephan Knickmeier mit den S-kites lass ich aussen vor - die haben IHRE Drachen im Laufe der Jahre durch geänderte Materialien wie Stangen und Stoff in ihrem Sinne optimiert. Das sind für mich schon jetzt wirkliche Klassiker. Daran haben sich eben Neuerungen zu messen.
Manche schätzen eben genau die Zickigkeit - andere lieben Allrounderqualität.
Die Trickfraktion ist da viel zu schnelllebig. Heute ein Hype - morgen vergessen.
-die Mattenfraktion entwickelt sich da gerade übrigens ähnlich -
Der xte Nachbau von im Prinzip schon lange bekannten Drachen, die sich von unbeteiligten wirklich nur noch an den Segelfarben unterscheiden lassen, der aber dann den neuesten Superdupertrick für jeden noch so dusseligen Trickpiloten möglich macht verkauft sich kurzfristig gut und verschwindet wieder. Inovation ist das in meinen Augen nicht. Hier gilt eben Marktwirtschaft.
Wie viele wirklich gute Trickpiloten gibt es - und gut ist für mich einer der sein Können mit nicht nur einem Drachen zeigen kann. Ich habe erlebt, dass ganz moderne Sachen auch mit einem Tramontana geflogen wurden - und das finde ich persönlich klasse - sowas ist für mich Kunst und Können.
Ich werde es nie lernen - aber darüber freuen das andere es Vorführen kann ich mich sehr wohl.
Für mich kommen die schönsten Sachen durchweg von privaten Entwicklern. Wenn ich an den Indoorbereich denke (eben kein Massenmarkt) fallen mir immer zuerst die Flieger von KarpeDiem oder Petzi ein.
Im Speedbereich ist es doch ähnlich - der Markt ist viel zu klein, als das ein renomierter Hersteller da wirklich was neues riskieren will. Wenn also was anders als ein bekannter Delta kommt - egal ob mit drei Nasen oder 5 Kielstäben wird es ein Privatman sein, der den zuerst für sich entwickelt und mit etwas Glück auch anderen Drachenpiloten vorstellt.
Je nach Erfolg oder Interesse findet er vielleicht einen "Verleger." Sollte er dabei aber zu einem qualitativen China Import verkommen, verschwindet er aber auch wieder ganz schnell vom Markt.
In Frankreich wurden dieses Jahr die 200km/h geknackt. Ein Trickpilot freut sich darüber genau so wenig wie ich über einen sechfachgewickelten Backrollover.
Aber ein Hersteller hätte ein tolles Verkaufsargument und nicht wenige unbedarfte würden drauf reinfallen.
Weil kein Mensch mehr bedenkt, dass es auch eine Pilotenleistung ist, jede Menge Erfahrung und auch Ausdauer erfordert.
Die 500Euro Trickmaschine mit der jeder Hansel sofort alles kann wird es hoffentlich nie geben.
Und eine Kleinserie wo ein speedoptimierter "Minidrachen" jenseits der 400 Euro liegt - das versteht der große Markt eh nicht.
Die Philosophie von M.Tiedke ist mir da schon sympathisch - er will den Markt bedienen um wirklich vielen erst den Zugang zum Drachenfliegen zu ermöglichen. Wie der Pilot sich dann weiterentwicklet ist seine Sache - vielleicht baut er mal was, was vom Delta abweicht oder wird Sieger bei der nächsten Tricks-Party oder beim STACK.
Aber dazu muß er erst mal ein Satz Leinen in die Hand nehmen.
Ich glaube, wenn nicht mal "quergedacht" wird und sich von bewährtem (hier eben die Deltaform) auch mal mit Mut zum Risiko drastisch entfernt wird, gibt es nichts grundlegend Neues im Zweileinerbereich.
Irgendwann wird alles zum Einheitsbrei und ich glaube damit geht viel Spaß an unserem Hobby verloren.
Analog zu den Einleinern: Wenn es irgendwann mal nur noch Sternendrachen am Himmel gibt, besucht kein Mensch mehr Drachenfeste.
- Editiert von Schmendrick am 15.10.2009, 10:19 -