Tucharten - Verarbeitungsempfehlungen

    Hallo,


    bislang habe ich fast ausschließlich Spinnaker verarbeitet, welcher sich prima mit einer geschlossenen oder echten Kappnaht verarbeiten läßt. Versuche dieser Nähte mit Icarex erwiesen sich in der Regel als nicht besonders robust. Da ich gerade mal wieder anfange zu bauen, habe ich mir auch für ein Leichtwindprojekt neben Icarex auch gleich mal etwas Mylar mitbestellt und dabei die Empfehlung bekommen, dieses nicht mit einer Kappnaht zu versehen.


    Welche Naht eignet sich denn nun am besten? Stoff nur übereinander legen und zusammennähen? Wie fixiert man dann den richtigen Abstand? Wie kann man denn dann Profilierungen in das Segel einbringen?


    Vielen Dank und viele Grüße


    Arne

    Zitat

    Welche Naht eignet sich denn nun am besten? Stoff nur übereinander legen und zusammennähen?


    Ja; das nennt sich dann Segelmachernaht.


    Zitat

    Wie fixiert man dann den richtigen Abstand?


    Die Naht wird im Regelfall mit doppelseitigem Klebeband oder Klebestiften vorgeklebt. (Gibt's im Drachenbaubedarfsartikelladen Deiner Wahl). Hier einige erhellende Bilder:


    http://wildkite.net/plans_e.htm


    Und im dasigen Artikelboard finden sich auch einige Informationen, die Dir weiter helfen könnten:


    https://www.drachenforum.net/a…eige_kategorie.php?kid=45


    Allerdings frage ich mich wieso eine Kappnaht in Icarex nicht halten sollte? Gängige Theorie ist eigentlich, dass die Nähte eine vergleichbare Stabilität haben.


    Viel Spaß, Erik

    "Kann ich bitte Deine Kekse haben?"

    Hallo Erik,


    die Naht an sich hat ja schon gehalten. Da ich aber in der Mittelnaht bei einem Doppelkieldrachen eine Profilierung haben wollte, stand das Icarex wohl dort etwas stark unter Vorspannung und so habe ich den Drachen, nachdem ich ihn mal ausgeliehen hatte, in einem etwas lädierten Zustand zurückbekommen.


    An der Naht ist das Segel wie an einer Perforation aufgerissen. (Das ist und war der erste Segelriss, der mir bei etwa 2 Dutzend Drachen passiert ist und das bei meinem ersten und bisher letzten Icarex-Versuch.)


    Zur Segelmachernaht: Bislang habe ich mich im Gegensatz zu meiner besseren Hälfte immer dagegen gewehrt, irgendein Klebezeugs zu verwenden, aber ich werde das dann mal so ausprobieren. Läßt man das Geschmiere dann da drin? Eine Profilierung ist so aber dann wohl nicht möglich oder?


    Vielen Dank,


    Arne

    Hallo Arne,


    besser kann man es nicht darstellen:


    stegmich.de


    Icarex ist doch gaengiger Drachenstoff, auch stark belastete Trick-Drachen bestehen daraus.
    Wenn ich mir meine geschundenen Rev.s ansehe, keine Probleme mit Icarex. Durch den Dreifach-zick-zack ist die Perforation besser verteilt, der Kleber bringt auch noch Stabilitaet. Probiers einfach mal aus.

    Grüße
    Lutz
    man braucht nie mehr etwas zu suchen, wenn man weiß wo irgendwo ist

    Salut Arne,


    Profilierungen, ob durch Zugabe oder Wegnahme von Tuch kannst du ohne weiteres auch mit der Segelmachernaht einbringen.
    Wenn du vorher abklebst kannst du sogar noch genauer arbeiten als mit den Kappnähten ohne Fixierung.
    Nur bei sehr starken Profilierungen wird es etwas fummelig, da dein Tuch schon mit der ersten (und entgültigen) Naht sein Profil einnimmt.

    À plus


    Steph/Elément'Air
    Calvados/France

    Danke für die Links und die Bestätigung, dass Ausnahmen offensichlich die Regel bestätigen. Dann war mein Riss wohl eher ein Materialfehler in Kombination mit einer ungünstigen Stichfolge oder die Feststellung, dass Icarex nicht für jede Anwendung die richtige Wahl ist.
    Zur Erklärung: Mein Prototyp, an dem ich mich da meist versuche hat schon eine sehr starke Profilierung, da ich die Bauchung durch eingespannte gebogene Segellatten vorgebe.


    Der Artikel ist wirklich interessant. Da für eine statistische Aussage nicht genug Proben aufgenommen werden konnten, kann man wohl davon ausgehen, dass es bei Chikara keine Festigkeits- und Dehnbarkeitsunterschiede zwischen der doppeltenn oder echten Kappnaht und der Segelmachernaht gibt. Bei Icarex kann ein Unterschied durchaus durch die Dicke der Naht hervorgerufen werden, was für eine kurzzeitig höhere Belastbarkeit sprechen würde.


    Die Empfehlung Mylar nicht mit einer Kappnaht zu verarbeiten, ist ja vermutlich darin begründet, dass das Material knickempfindlich ist. Bei längerer Beanspruchung würde ich eine dadurch bedingte Materialermüdung auch bei Icarex erwarten. Vielleicht mache ich demnächst mal ein paar AFM-Aufnahmen der Oberfläche an den Knickstellen :-O .

    Zitat

    An der Naht ist das Segel wie an einer Perforation aufgerissen. (Das ist und war der erste Segelriss, der mir bei etwa 2 Dutzend Drachen passiert ist und das bei meinem ersten und bisher letzten Icarex-Versuch.)


    Schon komisch, eigentlich kann sich Icarex dagegen gut "wehren". Wichtig ist, nicht zu kleine Stichlängen zu verwenden, sieht man manchmal, vor allem um die Details am Drachen herum, frei nach dem Motto "Viele Stiche halten besser".


    Zitat

    Zur Segelmachernaht: Bislang habe ich mich im Gegensatz zu meiner besseren Hälfte immer dagegen gewehrt, irgendein Klebezeugs zu verwenden, aber ich werde das dann mal so ausprobieren. Läßt man das Geschmiere dann da drin? Eine Profilierung ist so aber dann wohl nicht möglich oder?


    Geht wunderbar, kuck' Dir mal einen "gekauften" an, da sieht man die Klebung normalerweise sofort. Ziemlich wichtig finde ich die Segelteile vor dem Kleben zu fixieren. Entweder auf einer Glasscheibe arbeiten und die Segelteile mit Wasser aus der Sprühflasche "festkleben" oder mit (dem gleichen) doppelseitigen Klebeband punktuell auf der Arbeitsunterlage fixieren. Dann auf dem unten zu liegen kommenden Segelteil das Klebeband aufbringen, das Schutzpapier abziehen und das obere Segelteil einfach darauf fallen lassen.
    Aber das kann Dir Deine bessere Hälfte ja noch mal zeigen.


    Grusserik

    "Kann ich bitte Deine Kekse haben?"

    Hallo Arne
    Ich habe schon Icarex mit geschlossener Kappnaht verarbeitet und da ist nichts eingerissen oder perforiert. Ich muß aber dazu sagen, dass ich mit Tape über die ganzen Nahtzgaben arbeite und ich habe auch keine Probleme mit verklebe der Nadel, ich benutze einen Fadenöler. Man muß halt hue einen langen Stich nehmem bei der ersten Naht, dann passiert nichts. Mylar verarbeite ich nur mit Segelmachernaht und einem große dreifachen Zickzackstich.
    greetz bernd